Ein typisches Wochenende in/aus der Hauptstadt bedarf verschiedener Ingredenzien:

Arty Stylertypen mit elektronischer Extrovertiertheit. Kein Problem, denn Bodi Bill machen schon seit geraumer Zeit wirklich beeindruckende Mukke, sehen aus, wie man in Friedrichshain/Kreuzberg eben aussieht und sind meiner Meinung nach the next big thing.
Live:

Perfekte Überleitung, denn die Location, die den jungen Menschen im Video so herzzereißend schöne Kulisse ist, heißt Weekend (bzw. dessen Dachterrasse) und war in meiner ersten Berlinzeit schon einer meiner absoluten Lieblingstanzlokale. Man weiß bei solchen prominenten Nachtsachen jedoch leider nie, wie lange sie sich halten bzw. ab wann sich dort hauptsächlich italienische Erasmus-Studenten und Bankfachangestelltinnen die Ehre geben. Das Berghain samt Panorama Bar besuchte ich ja schon vor zwei Wochen, und ich fand es, um mich subkultursnobistisch auszudrücken, etwas spoiled: Signifkant weniger Öl-Homos als damals, Englisch statt Deutsch als Amtssprache, Drinks wie im Funpark und viel zu hell wegen unnötiger Lightshow. Kein Wunder, wenn die Süddeutsche Zeitung ungefähr jeden zweiten Tag eine Sonderseite damit füllt und sogar den Grundriss des Clubs im Magazin abdruckt. Damit ist das Berghain ein bisschen der Helmut Schmidt der Cubszene geworden – unbestritten groß, aber als Role Model eben auch etwas überreizt.
Im vagabunden WMF hingegen war ich vorgestern auf der Record Release Party von Moderat recht begeistert. Vor allem das Publikum (die Gästeliste hatte 24 Seiten) war so hart berlinerisch zusammengesetzt aus sehenswerten Stylern, Freaks, Westberliner Prolls und Nerds, dass ich erstmal eine halbe Stunde lang ausschließlich optisches aufsaugen musste. Dazu eine Unmenge hübscher Frauen und ein extrem guter Gig der Berliner Supergroup. Ich denke so sieht die Zukunft von elektronischer Musikkultur aus: Live Performance, eklektischer Sound, korrelierende Visuals. Zu einem Eindruck verhilft das folgende Video:

Was an Berlin aber wirklich nervt ist: die Hertha. Ich hatte bis gerade eben (Hertha – Schalke 0:0) ziemlichen Bammel vor einer durchaus möglichen Meisterfeier nächsten Samstag. Am letzten Spieltag dieser dubiosen Saison möchte ich so oder so nicht hier sein, den Hertha-Fans traue ich auch beim 4. Platz eine inakzeptable Feier zu. Also fahre ich lieber in die schöne Regio nach Freiburg und feier den SC, der charmanterweise Zweitligameister geworden ist (HG berichtete) und gegen Lautern die Saison abschließt. Ungefähr so:

Gute Musik gehört eben einfach dazu.
Und die gibt es im billigen Berlin sogar umsonst. Also, das neue Coldplay Live-Album. Auch außerhalb Berlins. Kein Scherz. Schnell besorgen.
Zuerst gesehen auf Spreeblick.